Blumen und ein Gesetz am Valentinstag - Wie aus einem Roman über verbale Gewalt ein Hörbuch wurde, das Brücken baut – gelesen von Oliver Petszokat

20260210 Wir Bleiben Wir Aktion Von Manuelaclemens.de (37 Von 55) (1)

Jedes Buch, das heute erscheint, gibt es eigentlich auch als Hörbuch. Es gehört irgendwie zusammen, das geschriebene und das gesprochene Wort. Es macht ja auch Sinn: Man gibt Lesungen, die Menschen genießen es, vorgelesen zu bekommen, und – vielleicht noch wichtiger – vielen fehlt auch die Zeit, selbst zu lesen.

Ein Hörbuch nimmt demnach auch eine Barriere: Wer nicht lesen kann, kann hören. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Ich habe trotzdem lange darüber nachgedacht, wie ein Hörbuch für meinen Debütroman WIR BLEIBEN WIR: Franca und Ed aussehen könnte.

Die Geschichte ist unisex, das Thema verbale Gewalt in verschiedensten Beziehungen – ein Thema, das feministisch ist und uns alle angeht. Deshalb dachte ich: Ein Hörbuch müsste einen Schritt weiter gehen, ein eigenes Kunstwerk sein. Etwas Besonderes, das Brücken schlägt und Bande schafft, das über Echokammern hinaus diese Themen in die Welt trägt.

Als ich Oliver Petszokat im Sommer kennenlernte, sagte er – charmant, wie er ist: Wenn du mal etwas machen willst, sag Bescheid. Es dauerte nur ein paar Wochen, da kam mein nächtliches Ich (ein sehr grübelndes Ich) auf die Idee, dass Oli der perfekte Sprecher für diese Geschichte wäre. Beliebt, positiv und auf eine unaufgeregte Art politisch. Außerdem: ein Mann. Die Echokammer verlassen und einem schweren Thema etwas Leichtigkeit geben – das ist das, was ich mit der Romanserie WIR BLEIBEN WIR tun möchte, und das ist das, was durch diese Zusammenarbeit verstärkt wird.

Oli sagte ja. Was wir dann noch brauchten, war ein Termin. Das gestaltete sich schwieriger als gedacht, und wir vertagten um Wochen, gar Monate – bis Ende November.

Ob es mir leichtfällt, geduldig zu sein? Manchmal nein. Dieses Mal irgendwie schon, weil ich mich so freute und sicher war, dass es schön werden würde. Die Wochen davor waren bei uns beiden stressig, und so freuten wir uns auf ein paar Tage im Studio.

Das Studio war dunkel und mit Teppich ausgelegt, so wie man es sich vorstellt. In der Ecke, vor der Aufnahmekabine, stand ein Ledersessel. Ich kuschelte mich direkt hinein, während Oli und sein Tontechniker Jan den Ständer für das iPad mit dem Text auf die richtige Höhe einstellten. Ein Hörbuch einzulesen dauert ewig, und es sind Kleinigkeiten wie diese, die zählen: eine bequeme Sitzhaltung, gute Akustik, Ruhe. Ich könnte ewig dabei zuhören.

Wenn ein Mensch, den man toll findet, die eigenen Worte vorliest, dann hat das eine Wucht. Eine Wucht, für die ich – selbst wenn ich ganz gut mit Worten bin – keine Worte habe. Außer vielleicht: unglaublich.

Ich hätte ewig zuhören können, musste aber nach ein paar Stunden meinen kuscheligen Sessel verlassen, weil ich selbst aus der Geschichte vorlesen würde – im Odradek Buchladen, moderiert von meiner Freundin Sinja Dieks, ebenfalls Schauspielerin. Auch wir hatten schon viel über das Buch gesprochen. Auch das ist für mich immer noch unglaublich: Menschen (die ich mag, kenne oder auch nicht kenne) sitzen, stehen oder liegen zu Hause oder sonst irgendwo und lesen mein Buch. Kann es etwas Schöneres geben?

Ich glaube nicht.

Und nachdem die Aufnahmen fertig waren, fing die wahre Odyssee an: Der fertig gelesene Text musste hochgeladen werden. Ich hatte mich für eine Plattform entschieden, die das Hörbuch in die verschiedensten Kanäle verteilt. Das hatte den Nachteil, dass das Prinzip sehr eng und formell war – eine große Herausforderung für mich. Ein Beispiel: Eine Plattform erkannte den Hintergrund meines Covers als verpixelt, was nicht stimmt – das ist die Tiefenschärfe. Dennoch kam es nicht durch, und ich musste ein alternatives Cover bauen.

Und davon gab es noch ein paar mehr Hürden, die meine Geduld strapazierten und mir jedes Mal ein mulmiges Gefühl gaben, wenn ich mein E-Mail-Postfach öffnete.

Am 14.02. sollte das Hörbuch erscheinen – der Tag, an dem sich das Gewalthilfegesetz zum ersten Mal jährte. Und ja: der Valentinstag. Darum geht es auch im ersten Kapitel des Buches, genauso wie um rosa Lilien. Um auf das Hörbuch aufmerksam zu machen – und auch, um es für mich greifbar zu machen – entschied ich mich für eine Poster- und Blumenaktion in Berlin. Es war ein fabelhafter Tag mit so vielen schönen Gesprächen über die Themen des Hörbuchs, Jugenderinnerungen mit Oli. Wie viel Liebe man an einem Tag gegen rosa Lilien tauschen kann, hätte ich nie gedacht.

Und jetzt ist es da: das wunderschöne Hörbuch WIR BLEIBEN WIR: Die Geschichte von Franca und Ed, gelesen von Oliver Petszokat, geschrieben von Thekla Wilkening.

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