

Thekla Wilkening gehört zu jener Generation von Autorinnen, die Öffentlichkeit auch als Verantwortung begreifen. Bekannt wurde sie zunächst nicht durch Literatur, sondern durch Unternehmertum: Mit der Gründung der Kleiderei etablierte sie eines der ersten Fashion-Sharing-Modelle in Deutschland und stellte damit früh die Frage, wie Konsum, Eigentum und Nachhaltigkeit neu gedacht werden können. Was damals als Start-up begann, war auch ein kulturpolitischer Eingriff: Kleidung als zirkulierendes Gut statt als Besitz, Stil als Haltung statt als Status.
Wilkening hat sich nie damit begnügt, Nachhaltigkeit als Lifestyle zu inszenieren. In ihrem gemeinsam mit Robin Haring veröffentlichten Essayband „Das Bio-Pizza Dilemma“ analysiert sie den moralischen Druck einer Generation, die zwischen Klimakrise und Konsumsozialisation aufgewachsen ist. Das Buch ist keine Handlungsanweisung, sondern eine Diagnose: Nachhaltigkeit als gesellschaftliches Spannungsfeld zwischen Anspruch und Überforderung.
Mit ihrem Romanreihe „Wir bleiben wir“ verschiebt sie den Fokus nun vom System auf die Figuren, ohne das Politische aus dem Blick zu verlieren. Der Text verbindet urbane Milieus mit Fragen nach Zugehörigkeit, Care-Arbeit, queerer Identität und sozialer Herkunft. Wilkening schreibt dialogreich, rhythmisch, mit filmischem Gespür für Szenen und Zwischenräume. Dass sie aus einer Familie stammt, in der Film und Narration zum Alltag gehörten, ist dem Text anzumerken: Atmosphäre entsteht bei ihr nicht durch Dekoration, sondern durch Blickführung.
Parallel publiziert sie Essays und Kommentare unter anderem in großen deutschen Medien und führt mit ihrem Substack eine kontinuierliche Auseinandersetzung über Gegenwart, Verantwortung und Selbstverortung. Ihre Themen sind nicht neu, aber ihre Verbindung ist es: Mode als politisches System, Literatur als Resonanzraum, Öffentlichkeit als gestaltbarer Ort. Wilkening steht damit für eine Autorinnenschaft, die Ästhetik und Ethik nicht trennt.